Anlegerschutz /
Artikelnummer: 06033103
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AKTIONÄRIN UNTERLIEGT IN IHRER HAFTUNGSKLAGE GEGEN EM.TV
Die Anlegerin konnte nach Ansicht der Richter nicht nachweisen, dass sie vor der Veröffentlichung der Ad-hoc-Mitteilung vom 24.08.2000 ihre Aktien konkret habe verkaufen wollen, und dass sie durch die unzutreffende Mitteilung davon abgehalten worden sei.
Das Oberlandesgericht Stuttgart hatte darüber zu entscheiden, ob eine Aktionärin Schadensersatzansprüche wegen unzutreffender Angaben in einer Ad-hoc-Mitteilung vom 24.08.2000 gegen die EM.TV AG sowie die Brüder Thomas und Florian Haffa hat. Die Anlegerin erwarb im Februar und März 2000 Aktien des Unternehmens. Der durchschnittliche Erwerbspreis pro Aktie betrug 95,80 €. Eine am 24.8.2000 vom Unternehmen veröffentlichte - wahrheitswidrig zu positive - Ad-hoc-Mitteilung zu ihren Halbjahreszahlen 2000 wurde durch eine weitere Mitteilung vom 09.10.2000 korrigiert. Der Kurs der Aktie sank daraufhin auf 39,90 €. In der Zeit vom 24.08.2000 bis zum 09.10.2000 bewegte er sich zwischen 53,90 € und 66,00 €. Bis zum Ende des Jahres 2000 fiel der Kurs auf unter 6,00 €. Die Aktionärin verlangte Schadensersatz in Höhe des ursprünglichen Kaufpreises gegen Rückgabe der Aktien. Nach der Beweisaufnahme ist nach Auffassung der Richter davon auszugehen, dass die Aktionärin seit längerem über den Kursverlauf enttäuscht und verunsichert, letztlich aber nicht bereit gewesen sei, die damals bereits eingetretenen Verluste von etwa 30% gegenüber dem Erwerbspreis zu realisieren. Ein Schadensersatzanspruch lasse sich auch nicht allein damit begründen, dass die Aktie infolge des eingetretenen Vertrauensverlustes letztlich dauerhaft wertlos sei. Eine allgemeine Haftung des Unternehmens für Kursverluste der Aktionäre sei unserem Recht fremd.

Quelle: Oberlandesgericht Stuttgart von 08.02.2006
http://www.olg-stuttgart.de/ Externer Link
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