Straßenverkehrsrecht /
Artikelnummer: 06040603
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EINFÄDELN AUF DER AUTOBAHN WILL GELERNT SEIN ...
Auf Autobahnen und Kraftfahrstraßen hat derjenige Vorfahrt, der sich auf der durchgehenden Fahrbahn befindet (§ 18 Abs. 3 Straßenverkehrsordnung (StVO)). Beschleunigungsstreifen sind nicht zur durchgehenden Fahrbahn zu zählen.
Ein Autofahrer verlangt Schadensersatz aus einem Unfall, der sich bei seinem Auffahren auf die Autobahn vom Beschleunigungsstreifen aus ereignete. Er begründet seinen Anspruch damit, dass der fließende Verkehr auf der Autobahn ihn nach dem sog. Reißverschlussverfahren hätte einfädeln lassen müssen. Das Oberlandesgericht Köln konnte diesem Vorbringen nicht zustimmen: Das Reißverschlussfahren, geregelt in § 7 Abs. 4 StVO, schreibt vor, dass bei einer Fahrbahn mit mehreren Fahrstreifen, von denen einer endet oder aus sonstigen Gründen nicht durchgehend befahren werden kann, den am Weiterfahren gehinderten Fahrzeugen der Übergang auf den benachbarten Fahrstreifen in der Weise zu ermöglichen ist, dass sich diese jeweils im Wechsel nach einem auf dem durchgehenden Fahrstreifen fahrenden Fahrzeug einordnen können. Sobald der Verkehr ein Einordnen mit ausreichendem Abstand nicht mehr zulässt, wird dieses Verfahren zwingend. Jedoch gilt auch beim Reißverschlussverfahren, dass derjenige Vorfahrt hat, der sich auf dem weiterführenden Fahrstreifen befindet. Für Autobahnen und Kraftfahrstraßen gilt das Reißverschlussverfahren jedoch nicht: hier hat der Gesetzgeber mit § 18 Abs. 3 StVO die Vorfahrt desjenigen festgelegt, der sich auf der durchgehenden Fahrbahn befindet. Fahrer, die sich auf solcher einer Fahrbahn befinden, dürfen auch auf die Beachtung dieser Regelung vertrauen. Der einfahrende Verkehr ist wartepflichtig und darf nur so einfahren, dass der fließende Verkehr weder gefährdet noch behindert wird. Alle Einfahrenden müssen sich mit der größtmöglichen Sorgfalt dem Verkehr eingliedern.

Quelle: Oberlandesgericht Köln von 24.10.2005
http://www.olg-koeln.nrw.de/home/index.htm Externer Link
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