Arbeitsrecht /
Artikelnummer: 06041102
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ÜBERSTUNDEN VS. ARBEIT AUF ABRUF
Überstunden sind nicht gleichzusetzen mit "Arbeit auf Abruf".
Die Verpflichtung des Arbeitnehmers zur Ableistung von Überstunden kann arbeitsvertraglich geregelt werden. Eine solche Vereinbarung liegt dann vor, wenn sich der Arbeitnehmer verpflichtet, bei einem vorübergehenden zusätzlichen Arbeitsbedarf länger als vertraglich vereinbart zu arbeiten. Überstunden werden wegen bestimmter besonderer Umstände (bspw. kurzfristig überhöhter Arbeitsaufwand; Großauftrag u.a.) vorübergehend zusätzlich geleistet. Überstunden können und werden i. d. R. vom Arbeitgeber durch Freizeit abgegolten. Um "Arbeit auf Abruf" handelt es sich, wenn sich der Arbeitnehmer verpflichtet, seine Arbeitsleistung entsprechend dem Arbeitsanfall zu erbringen. Merkmal der "Arbeit auf Abruf" ist insbesondere das Recht des Arbeitgebers, entsprechend dem Arbeitsanfall Lage und Dauer der Arbeit bestimmen zu können. Das Interesse des Arbeitgebers an einer Flexibilisierung der Arbeitszeitdauer und das Interesse des Arbeitnehmers an einer festen Regelung der Dauer der Arbeitszeit und der sich hieraus ergebenden Arbeitsvergütung sind angemessen zum Ausgleich zu bringen. Eine entsprechende Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist dann angemessen, wenn die vom Arbeitgeber abrufbare, über die vereinbarte Mindestarbeitszeit hinausgehende Arbeitsleistung des Arbeitnehmers nicht mehr als 25% der vereinbarten wöchentlichen Mindestarbeitszeit beträgt. Arbeitet bspw. ein Arbeitnehmer in der Woche regelmäßig mindestens 30 Stunden, darf die "Arbeit auf Abruf" nicht mehr als 7,5 Stunden betragen. Eine solche Regelung berücksichtigt die berechtigten beiderseitigen Interessen in angemessener Weise: dem Arbeitgeber wird ein hohes Maß an Flexibilität eingeräumt; der Arbeitnehmer ist durch die Höchstgrenze von 25% mit Blick auf seine eigene Planungssicherheit geschützt.

Quelle: Bundesarbeitsgericht von 07.12.2005
http://juris.bundesarbeitsgericht.de Externer Link
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