Anlegerschutz / z_L&S - Schrottimmobilien / z_L&S - WGS /
Artikelnummer: 06050504
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DER BUNDESGERICHTSHOF VERMUTET BEI FALSCHANGABEN IM PROSPEKT, DASS DER ANLAGEINTERESSENT BEI RICHTIGER AUFKLÄRUNG VON DER ANLAGE ABGESEHEN HÄTTE
Hat der Vermittler einer prospektierten Kapitalanlage pflichtwidrig die an ihn für den Vertrieb gezahlte "Innenprovisionen" ungenügend offen gelegt oder sonstige Unrichtigkeiten im Prospekt nicht richtig gestellt, so vermuten die Richter, dass der Anlageinteressent bei richtiger Aufklärung von der Anlage abgesehen hätte.
Der klagende Anleger trat in den Jahren 1996 und 1997 mit Beträgen von jeweils 80.000 DM zuzüglich fünf Prozent Agio zwei Immobilienfonds bei. Der Vertrieb der Kapitalanlagen lag bei dem beklagten Vermittler, der hierbei die von den Objektgesellschaften herausgegebenen Prospekte verwandte. Die Prospekte enthielten unter anderem falsche Angaben zu den Innenprovisionszahlungen. Die Bundesrichter stellten fest, dass in Fällen der Prospekthaftung im weiteren Sinn es der allgemeinen Lebenserfahrung entspricht, dass der Prospektfehler für die Anlageentscheidung ursächlich geworden ist, da der Anleger seine Anlageentscheidung nicht in Kenntnis aller relevanten Tatsachen treffen konnte. Diese Vermutung entfalle auch nicht deshalb, weil die Anlage in erster Linie mit den hiermit verbundenen Steuervorteilen beworben wurde. Denn die Erwartung von Steuervorteilen aus einer Immobilie könne zwar ausnahmsweise Selbstzweck für ihre Anschaffung sein. In aller Regel werde die Immobilie aber als dauerhafte Wertanlage erworben.

Quelle: Bundesgerichtshof von 09.02.2006
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