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Artikelnummer: 06052606
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AUFKLÄRUNGSPFLICHT BEI DER VERMÖGENSANLAGEBERATUNG: KEIN SCHADENSERSATZANSPRUCH OHNE SCHADEN
Das Recht, wegen einer im Verhandlungsstadium begangenen schuldhaften Sorgfaltspflichtverletzung die Rückgängigmachung des Vertrages zu verlangen, setzt einen durch die Sorgfaltspflichtverletzung entstandenen Schaden voraus.
Dieser tritt, dem Oberlandesgericht Celle zufolge, nicht automatisch mit der Eingehung des Vertrages ein, sondern setzt voraus, dass der Vertragsabschluss für den betroffenen Anleger wirtschaftlich nachteilig gewesen ist. Ein Schaden könne danach zwar, selbst wenn der Kaufgegenstand den Kaufpreis wert ist, schon allein darin liegen, dass der Betroffene in seinen konkreten Vermögensdispositionen beeinträchtigt sei. Der Bundesgerichtshof hat dies in einem Fall bejaht, in dem ein Immobiliengeschäft zwar objektiv werthaltig war, die Käufer aber bei finanziell beschränkten Verhältnissen Finanzierungsaufwendungen erbringen mussten, die weder durch Mieteinnahmen und Steuerersparnis abgedeckt waren, noch durch die Wertsteigerung der Immobilie kompensiert wurden. Um einen vergleichbaren Fall gehe es hier aber nicht, weil die Kläger einen derartigen Nachteil nicht geltend machen, sondern im Gegenteil eine langfristige Vermögensanlage ausdrücklich gewünscht hatten und im Übrigen nicht mit laufenden Kosten oder sonstigen Aufwendungen belastet sind. Für eine Bewertung der tatsächlichen Rendite der Anlage und damit der Vermögensentwicklung hinsichtlich des von der Klägerin und ihrem Ehemann eingesetzten Kapitals im Vergleich zur hypothetischen Entwicklung bei der Wahl einer alternativen (konservativen) Anlage fehlten ausreichende Anknüpfungspunkte.

Quelle: Oberlandesgericht Celle von 06.04.2006
http://www.oberlandesgericht-oldenburg.niedersachsen.de/master/C10719498_N6251216_L20_D0_I4815380.html Externer Link
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