Miet- und Wohnungseigentumrecht /
Artikelnummer: 06060202
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BETAGTE MIETER GENIEßEN EINEN BESONDEREN SCHUTZ
Für betagte Mieter ist die soziale Bindung an ihr gewohntes Umfeld von größter Wichtigkeit. Darum genießen sie einen besonderen Schutz, der den Belangen von anderen, jüngeren Mietern voransteht - so lautet die Entscheidung des Siegener Landgerichts.
Die Richter kamen zu dem Schluss, dass Vermieter und Mitmieter ein besonders hohes Maß an Toleranz gegenüber alten Mietern aufbringen müssen. Dies gelte auch, wenn sich einzelne Mieter oder der Vermieter selbst durch evtl. Gerüche oder Laute der greisen Nachbarschaft beeinträchtigt sehen. In dem zu entscheidenen Fall wollte der Vermieter ein greises Paar (ca. 90 Jahre), das nunmehr schon seit mehr als 30 Jahren in dem Mietshaus wohnt, der Wohnung verweisen und kündigte das Mietverhältnis. Zur Begründung wurde angeführt, dass neben nächtlichen Ruhestörungen der leicht verwirrten 90-jährigen Mieterin Feuchtigkeits- und Schimmelschäden von den Senioren verursacht werden würden; ferner stellten sich unangenehme Gerüche ein; die Zimmer seien voller Gerätschaften, Kleidersäcken und Zeitschriften. Das Gericht sah jedoch in all diesen Punkten keinen Anlass, die eine Kündigung des Mietverhältnisses rechtfertigen würden. Zwar mag es stimmen, dass Feuchtigkeits- und Schimmelschäden vorliegen, diese würden dem Vermieter jedoch schon seit einigen Jahren bekannt sein. Die mit diversen Gerätschaften u.a. überfüllten Zimmer führen zudem nicht zu einer Gefährdung der Mieträume und der muffige Geruch gelange nicht bis ins Treppenhaus, wo sich andere Mieter dadurch gestört fühlen könnten. Somit liegen keine absolut unzumutbaren oder gesundheitsschädlichen Beeinträchtigungen der anderen Mitmieter vor, die daher mit der gegebenen Situation zu leben haben.

Quelle: Anwalt-Suchservice von 20.04.2006
http://www.anwalt-suchservice.de Externer Link
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