Anlegerschutz /
Artikelnummer: 06070507
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DAS RISIKO FÜR EINE FALSCHE ANLAGEENTSCHEIDUNG TRÄGT DER ANLEGER
Das Risiko, dass sich eine aufgrund einer anleger- und objektgerechter Beratung getroffene Anlageentscheidung im Nachhinein als falsch erweist, trägt der Kunde.
Die Bewertung und Empfehlung eines Anlageobjekts durch ein Kreditinstitut muss, zum Zeitpunkt der Beratung betrachtet, vertretbar sein, so die Bundesrichter. Die Klägerin nimmt die beklagte Sparkasse auf Schadensersatz wegen fehlerhafter Anlageberatung in Anspruch. Die Klägerin erbte von ihren Eltern ein Vermögen in Höhe von ca. 4 Millionen DM. 1,2 bis 1,3 Millionen DM wollte sie für drei bis fünf Jahre anlegen. Sie und ihr Ehemann eröffneten 1998 zu gleichen Teilen ein Wertpapierdepot bei der Sparkasse und erwarben zu 50% des Anlagebetrages Aktienfonds- und zu 30% Immobilienfondsanteile, die sämtlich von einer Fondsgesellschaft stammten. Zunächst stiegen die Kurse und führten zu erheblichen Gewinnen. Im Frühjahr 2000 setzte ein Kursverfall ein. Deshalb erkundigte sich der Ehemann der Klägerin am 30. Mai 2000, als die Anlage insgesamt noch in der Gewinnzone lag, bei der Sparkasse, ob ein Verkauf ratsam sei. Der Leiter der Wertpapierabteilung äußerte die Erwartung, dass sich die Börse wieder nach oben entwickeln werde, und riet von einem Verkauf ab. Da sich der Kursverfall fortsetzte, fanden am 17. August 2000, 23. Oktober 2000, 9. Januar 2001 und 8. Februar 2001 Gespräche mit ähnlichem Inhalt statt. Schließlich verkauften die Klägerin und ihr Ehemann am 21. März 2001 alle Fondsanteile. Nach Ansicht der Richter wird ein Angebot zum Abschluss eines Beratungsvertrages stillschweigend durch die Aufnahme des Beratungsgesprächs angenommen, wenn ein Anleger an eine Bank herantritt, um über die Anlage eines Geldbetrages beraten zu werden. Dasselbe gelte, wenn ein Kunde sich - wie hier - nach getroffener Anlageentscheidung bei der Bank erkundigt, wie er sich angesichts fallender Kurse verhalten soll. Die erteilte Empfehlung der Sparkasse, die Anteile nicht zu verkaufen, sei vertratbar gewesen. Im Zeitpunkt der Raterteilung am 30. Mai 2000 war objektiv nicht vorhersehbar, ob die Kurse weiter fallen oder innerhalb des Anlagezeitraums von noch höchstens drei Jahren das Niveau vom 30. Mai 2000 überschreiten würden. In dieser Situation handelte die beklagte Sparkasse nicht pflichtwidrig, indem sie aufgrund ihrer Erfahrung und langjährigen Beobachtung der Kursentwicklung von einem entsprechenden Wiederanstieg der Kurse innerhalb der nächsten drei Jahre ausging und diese Entwicklung ihrer Empfehlung gegenüber der Klägerin zugrunde legte. Die Sparkasse musste der Klägerin auch nicht mitteilen, dass nicht absehbar sei, ob der Kursverfall beendet sei, so der Bundesgerichtshof. Es bestehe auch keine Pflicht der Sparkasse, die Klägerin auf unterschiedliche Meinungen über die künftige Kursentwicklung, insbesondere auf Warnungen vor einem Kurseinbruch hinzuweisen.

Quelle: Bundesgerichtshof von 21.03.2006
http://www.bundesgerichtshof.de Externer Link
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