Arbeitsrecht /
Artikelnummer: 06071101
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DIE DURCH EINE SCHLÄGEREI VERURSACHTE ARBEITSUNFÄHIGKEIT KANN EINEN ANSPRUCH AUF ENTGELTFORTZAHLUNG BEGRÜNDEN
Ob bei krankheitsbedingter Arbeitsunfähigkeit, die durch eine Schlägerei oder Tätlichkeit verursacht wurde, der Arbeitnehmer Anspruch auf Entgeltfortzahlung hat, hängt vom möglichen Eigenverschulden des Arbeitsnehmers sowie von den Umständen des Einzelfalls ab. Einen Erfahrungssatz, dass die Teilnahme an einer Schlägerei in der Regel selbstverschuldet ist, gibt es nicht.
Das Gesetz sieht vor, dass ein Arbeitnehmer Anspruch auf Entgeltfortzahlung für die Zeit seiner Arbeitsunfähigkeit infolge von Krankheit hat, sofern er diese nicht selbst verschuldet hat. Im hier vorliegenden Fall wurde die Klägerin von ihrem Ex-Mann tätlich angegriffen und erlitt dabei eine Schädelprellung. Sie wurde für ca. 2 Wochen arbeitsunfähig krankgeschrieben. Nachdem ihr Arbeitgeber die Entgeltfortzahlung für diesen Zeitraum mit der Begründung des klägerischen Selbstverschuldens ablehnt, machte die Klägerin ihre Ansprüche nunmehr im gerichtlichen Verfahen erfolgreich geltend. Das Gericht führte aus, dass die Klägerin kein Verschulden treffe und sie somit Anspruch auf Entgeltfortzahlung hat. Ein Verschulden des Arbeitsnehmers im Sinne des Gesetzes liegt grundsätzlich nur vor, wenn sich sein Verhalten als gröblicher Verstoß gegen das von einem verständigen Menschen im eigenen Interesse zu erwartende Verhalten darstellt. Mit Blick auf die durch eine Schlägerei verursachte Arbeitsunfähigkeit gebe es keinen Erfahrungssatz. Entscheidend seien jeweils die Einzelumstände. Hier kommt es u.a. darauf an, ob der Arbeitnehmer die Schlägerei selbst begonnen oder diese provoziert hat. Ein solches Verhalten konnte der Klägerin nicht nachgewiesen werden, so dass sie kein Verschulden trifft.

Quelle: Landesarbeitsgericht Köln, erhältich in der Rechtsprechungsdatenbank des Landes NRW von 14.02.2006
http://www.justiz.nrw.de/ Externer Link
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