Straßenverkehrsrecht / Verbraucherschutz / Versicherungsrecht /
Artikelnummer: 06071103
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VERSICHERUNG KANN FÜR SCHÄDEN LEISTUNGSPFLICHTIG SEIN, DIE AUS EINEM WILDTIER-AUSWEICHMANÖVER RESULTIEREN
Das Landgericht Frankfurt/M. verurteilte ein Versicherungsunternehmen, den Schaden aus einem Unfall zu übernehmen, der einem Autofahrer wegen eines Ausweichmanövers entstanden ist.
Der Autofahrer war auf einer Landstraße von der Fahrbahn abgekommen und mit einem Baum kollidiert. Grund hierfür war, dass ein Reh auf die Fahrbahn gesprungen war, welchem er ausweichen wollte. Der Pkw-Fahrer konnte sein Fahrzeug nicht mehr halten und verursachte durch die Kollision einen Totalschaden. Er meldete den Schaden seiner Versicherung, die lediglich den Glasschaden übernehmen wollte. Sie führte an, dass es nicht nachgewiesen sei, dass es sich um ein Reh handelte. Es hätte genauso gut ein Elch sein können (dieser Schaden wäre nicht abgesichert gewesen). Das Gericht gab dem Autofahrer Recht und führte aus, dass die vom Versicherungsvertrag abgedeckte Versicherungsleistung auch Wildtierunfälle erfasse. Der komplette Schadensbetrag muss dem Autofahrer daher erstattet werden. Dieser sei seiner Pflicht nachgekommen, eine Abwendung des drohenden Schadens zu versuchen. Die Einwände der Versicherung, es hätte auch ein Elch sein können, überzeugen nicht. Erstens habe ein Zeuge gesehen, dass es ein Reh war und zweitens seien Elche in Deutschland doch recht ungewöhnlich. Das Gericht führte ferner aus, dass ein Autofahrer nicht verpflichtet sei, bei derartigen Unfällen die Polizei zu rufen bzw. den Unfall polizeilich erfassen zu lassen.

Quelle: Deutscher Anwaltsverein von 21.12.2005
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