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Artikelnummer: 06072104
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FEHLERHAFTE MÜNDLICHE ANLAGEBERATUNG WIRD NICHT DURCH ZUTREFFENDE RISIKOHINWEISE IM VERKAUFSPROSPEKT AUSGEGLICHEN
Der Inhalt des Beratungsgespräches darf nicht im Widerspruch zum Prospektinhalt stehen und muss den Kunden jedenfalls in groben Zügen über die im Prospekt geschilderten Risiken informieren. Der Prospekt kann nicht Mängel oder Verharmlosungen des Anlagegesprächs ausgleichen, insbesondere dann nicht, wenn kein Hinweis darauf erfolgt, dass die Einzelheiten der Anlage auch hinsichtlich ihrer Risiken im Prospekt nachzulesen seien, so das Oberlandesgericht Karlsruhe.
Der Anleger verlangt von der beklagten Finanz- und Wirtschaftsberatungs- und Vermittlungs AG Schadensersatz wegen fehlerhafter Anlageberatung in Zusammenhang mit dem Erwerb eines Anteils an einem geschlossenen Immobilienfonds (Dreiländerfonds DLF 94/17). Die Geldanlage sollte der Altersvorsorge des Anlegers dienen. Der Mitarbeiter des Anlagevermittlers hat es unterlassen, ihn im Beratungsgespräch darauf hinzuweisen, dass es sich bei dieser Fondsanlage um eine unternehmerische Beteiligung handelt. Bei ihr besteht nicht nur das Risiko schwankender Rendite, sondern auch das Risiko des Totalverlustes des Kapitals. Die Beteiligung war damit für eine risikolose Altersvorsorge nicht geeignet. Der Prospekt müsse darüber hinaus dem Anlageinteressenten rechtzeitig vor dem Vertragsabschluss überlassen worden sein, so dass er dessen Inhalt noch zur Kenntnis nehmen konnte. Der klagende Anleger hatte die Beteiligung unmittelbar im Anschluss an das Beratungsgespräch unterzeichnet und bis dahin keine hinreichende Gelegenheit gehabt, die jeweils dreispaltig gedruckten Prospekte von teilweise 92 Seiten rechtzeitig zur Kenntnis zu nehmen. Dass der Anleger dies möglicherweise in der vertraglich vereinbarten 1-wöchigen Widerrufsfrist tun kann, ändert daran nichts, so die Karlsruher Richter. Der Widerrufsberechtigte müsse vor Beginn der Widerrufsfrist sämtliche maßgeblichen Informationen für seine Anlageentscheidung kennen, um sich in Ruhe nochmals die Vor- und Nachteile des Geschäfts durch den Kopf gehen lassen zu können.

Quelle: Oberlandesgericht Karlsruhe von 28.06.2006
http://www.olgkarlsruhe.de/ Externer Link
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