Insolvenzrecht & Zwangsvollstreckung /
Artikelnummer: 06072501
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SACHVERSTÄNDIGE KÖNNEN FÜR UNRICHTIGE WERTGUTACHTEN HAFTEN
Ein Sachverständiger kann für den Schaden haften, welcher einem Ersteigerer im Zwangsversteigerungsverfahren entsteht, wenn dieser auf der Grundlage eines fehlerhaften Gutachtens des Sachverständigen das Objekt erwirbt.
Im vorliegenden Fall wurde der Sachverständige X vom Amtsgericht Köln beauftragt, den Verkehrswert eines mit einem Mehrfamilienhaus bebauten Grundstücks für das bevorstehende Zwangsversteigerungsverfahren festzustellen. Dieser schätzte den Wert auf 655.000 €; dieser Wert wurde Grundlage für die richterliche Verkehrswertfestsetzung. Orientiert an diesem Betrag erworben 2 Bietende, die Kläger, das Grundstück für insgeamt 555.000 €. Die Kläger machen nun, nach Erwerb, geltend, dass der Sachverständige grob fahrlässig handelte. Er habe übersehen, dass das Grundstück nur über 6 (anstelle von 8) Stellplätzen verfüge und dass ein Teil des Grundstücks mit einem Nachbarhaus überbaut sei. Die Kläger machen geltend, dass sie bei Offenlegung dieser Gegebenheiten das Grundstück zu einem geringeren Betrag hätten ersteigern können. Sie fordern daher im Wege des Schadensersatzes den Betrag von ca. 8.500 € vom Sachverständigen. Im Gesetz ist geregelt, dass ein vom Gericht ernannter Sachverständiger, der vorsätzlich oder grob fahrlässig ein unrichtiges Gutachten erstellt, zum Ersatz des Schadens verpflichtet ist, der einem Verfahrensbeteiligten hierdurch entsteht. Zu dem ersatzfähigen Schaden gehört jeder durch das unrichtige Gutachten und in den Schutzbereich der verletzten Sachverständigenpflicht fallende Vermögensschaden. Der zu leistende Schadensersatz soll die Vermögenslage herstellen, die bei pflichtgemäßem Verhalten des Sachverständigen eingetreten wäre; hier also wenn der Grundstückswert korrekt ermittelt worden wäre. Der Senat führt aus, dass es den Bietern unbenommen bleibt, geltend zu machen, dass sie bei korrekter Wertfestsetzung das Grundstück zu einem niedrigeren Meistgebot hätten ersteigern können. Der Differenzbetrag könne somit als Schadensersatz geltend gemacht werden.

Quelle: Bundesgerichtshof von 09.03.2006
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