Handels- und Gesellschaftsrecht / Insolvenzrecht & Zwangsvollstreckung /
Artikelnummer: 06081111
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DIREKTOR EINER 'LIMITED' KANN IM INSOLVENZFALL PERSÖNLICH HAFTEN
Nach Auffassung des Landgerichts Kiel steht die persönliche Haftung eines Geschäftsführers bei Verletzung der Insolvenzantragspflicht in keinem Zusammenhang mit der Gründung der Gesellschaft, sondern vielmehr mit der Tätigkeit der Gesellschaft in einem bestimmten Staat.
Am 19.11.2001 gründete der Beklagte in England eine englische Private Limited Company mit einem Gründungskapital von 2,00 £, deren Alleingesellschafter und Director er war. Die Limited meldete im Januar 2002 in Deutschland eine Betriebsstätte an. Dabei handelte es sich um eine Schönheitsfarm. Eine Eintragung in das Handelsregister als Zweigniederlassung erfolgte nicht. Entscheidend ist den Richtern zufolge, dass die entsprechende Vorschrift in § 64 Abs. 1 GmbHG dem Insolvenzrecht zuzurechnen ist. Die Vorschrift diene dem Gläubigerschutz zur Sicherung der Haftungsmasse sowie der Fernhaltung konkursreifer Gesellschaften vom Rechtsverkehr. Der Schutz des Geschäftsverkehrs ist Anliegen des Insolvenzrechts, das eben zu diesem Zweck den Insolvenzgrund der Überschuldung eingeführt hat. Eine Einschränkung der Niederlassungsfreiheit sei dadurch nicht gegeben. Vielmehr würde bei der Nichtanwendbarkeit des § 64 GmbHG der Beklagte gar keinem Insolvenzverschleppungsregime unterliegen.

Quelle: Landgericht Kiel von 20.04.2006
http://www.landgericht-kiel.landsh.de/ Externer Link
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