Urheber- und Medienrecht /
Artikelnummer: 06081507
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AUTOR WISSENSCHAFTLICHER VERÖFFENTLICHUNGEN MUSS BEI VERDACHT DES PLAGIATS RECHERCHEN DER PRESSE HINNEHMEN
Das Oberlandesgericht Karlsruhe hat die Rechte von Journalisten gestärkt, Nachforschungen zu Themen von öffentlichem Interesse anzustellen.
Die in Freiburg herausgegebene Zeitschrift "Laborjournal" hatte im vergangenen Jahr Plagiatsvorwürfe gegen einen Arzt erhoben. Dieser arbeitet derzeit an einer schweizer Universitätsklinik, ist seit mehr als 10 Jahren auch in der Forschung tätig und mit nahezu 70 Veröffentlichungen hervorgetreten. Anfang diesen Jahres setzte sich der Arzt mit einer Gegendarstellung bzgl. der Plagiatsvorwürfe zur Wehr. Als ein Autor des Laborjournals ihn und zwei seiner Vorgesetzten um Gespräche zu den Vorwürfen ersuchte, wollte der Arzt dem Journalisten dies per einstweiliger Verfügung verbieten lassen. Bereits die Vorinstanz (Landgericht Freiburg) hat den Antrag zurückgewiesen. Die sofortige Beschwerde des Arztes zum Oberlandesgericht Karlsruhe blieb ohne Erfolg. Der Autor hatte das Recht, mit Arbeitgebern, Vorgesetzten und Kollegen des Arztes Kontakt aufzunehmen und einen Plagiatsvorwurf nachzurecherchieren und zu überprüfen, wieweit die Veröffentlichungen des Antragstellers für seinen beruflichen Lebensweg von Bedeutung sind. Ein anzuerkennendes Interesse der Fachöffentlichkeit an diesen Fragen ist zu bejahen. Da der Arzt mit wissenschaftlichen Veröffentlichungen hervorgetreten ist, muss er sich wie jeder andere Autor eine Überprüfung seiner Werke dahingehend gefallen lassen, ob es sich dabei um eigene geistige Leistungen gehandelt hat. Eine Überprüfung des Plagiatsverdachts und seine Auswirkungen und die damit verbundenen Eingriffe in sein berufliches Umfeld sind von ihm hinzunehmen. Unnötige und außer Verhältnis zu dem verfolgten Zweck stehende Belastungen des Antragsteller sind nicht ersichtlich.

Quelle: Oberlandesgericht Karlsruhe - Pressemitteilung von 04.08.2006
http://www.olgkarlsruhe.de/ Externer Link
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