Bau- und Architektenrecht /
Artikelnummer: 06083008
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EIN ARCHITEKT KANN VON DER ARCHITEKTENLISTE GESTRICHEN WERDEN, WENN ER ÜBERSCHULDET IST.
Dies entschied das Verwaltungsgericht Koblenz.
Der 1942 geborene Architekt, der Kläger, ist seit dem 30. August 1995 in der Architektenliste der Architektenkammer Rheinland-Pfalz eingetragen und war in der Folgezeit als „freier Architekt“ tätig. im Jahr 2002 gab er vor dem Amtsgericht Koblenz eine eidesstattliche Versicherung über seine Vermögensverhältnisse ab. Daraufhin forderte ihn die Kammer auf, seinen derzeitigen Schuldenstand zu belegen und mitzuteilen, womit er seinen Unterhalt bestreite. Der Architekt bezifferte seinen Schuldenstand auf ca. 810.000,00 € und trug vor, dass er ohne eigenes Verschulden in eine äußerst schwierige wirtschaftliche Situation geraten sei. Am 24. August 2005 beschloss der Eintragungsausschuss der Architektenkammer, die Eintragung des Architekten aus der Liste der Architekten zu löschen. Mit dieser Entscheidung war der Architekt nicht einverstanden und klagte vor dem Verwaltungsgericht, das die Klage abwies. Die Kammer habe die betroffenen Interessen des Architekten am Verbleib in der Architekten­liste und das Interesse der Allgemeinheit sachgerecht ermittelt und abgewogen. Aus dem Architektengesetz folge, dass ein Architekt verpflichtet sei, seinen Beruf gewissenhaft auszuüben und sich bei seinem Verhalten der Achtung und des Vertrauens würdig zu zeigen, welches sein Beruf erfordere. Ein Verhalten, das gegen diese Pflicht verstoße, sei berufswidrig. Eine Verletzung der Berufspflichten könne auch in einer Überschuldung eines Architekten liegen. Denn im Rahmen der Durchführung von Bauvorhaben stünden regelmäßig erhebliche Geldsummen zur Disposition, mit denen es gelte, verantwortungsbewusst und effizient umzugehen.

Quelle: Verwaltungsgericht Koblenz - Pressemitteilung von 07.08.2006
http://www.vgko.justiz.rlp.de/ Externer Link
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