Bau- und Architektenrecht /
Artikelnummer: 06101204
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KÜNDIGUNG DES ARCHITEKTENVERTRAGES WEGEN ÜBERSCHREITUNG DER KOSTENOBERGRENZE
Der Architekt ist verpflichtet, die ihm bekannten Kostenvorstellungen des Bauherrn bei seiner Planung zu berücksichtigen und ihn über etwaige Kostenmehrungen zu informieren, so das Landgericht Mönchengladbach.
Die Parteien haben einen schriftlichen Architektenvertrag bezüglich des Umbaus und der Instandsetzung eines Einfamilienhauses und Anbau einer überdachten Toreinfahrt mit den Leistungsphasen 1-9 gemäß § 15 HOAI geschlossen. Die Planungsleistungen des Architekten vor dem schriftlichen Architektenvertrag und vor dem Kauf des Grundstücks durch den Bauherrn mündeten in einer überschlägigen Gesamtkostenberechnung über 331.500,00 €. Nach Erwerb des Grundstücks legte der Architekt eine Zusammenstellung der Herstellungskosten i.H.v. 616.000 € vor. Daraufhin kündigte der Bauherr den Architektenvertrag. Zu Recht, wie das Landgericht feststellt. Im Rahmen seiner Beratungstätigkeit in Leistungsphase 1 müsse der Architekt die vom Auftraggeber geäußerten Wünsche aufnehmen, sie hinsichtlich ihrer Zweckmäßigkeit und der anfallenden Kosten prüfen und gegebenenfalls auf Vor- und Nachteile hinweisen, die mit der Ausführung der Wünsche des Auftraggebers verbunden sein können. Der Architekt müsse also bereits in Leistungsphase 1 den wirtschaftlichen Rahmen ungefragt klären und sich nach den Finanzierungsmöglichkeiten des Bauherrn erkundigen. Eine Planung, die den wirtschaftlichen Rahmen nicht berücksichtigt, ist mangelhaft und berechtigt den Bauherren, den Vertrag wegen eines vom Architekten zu vertretenden wichtigen Grundes zu kündigen. Bereits bei der Grundlagenermittlung sei es Aufgabe des Architekten, die Aufgabenstellung zu klären und eine Beratung zum gesamten Leistungsbedarf vorzunehmen. Hierzu gehört nach Ansicht der Richter das Abfragen und Besprechen der Wünsche, Vorstellungen und Forderungen des Auftraggebers. Im Rahmen dieser Teilleistung hat der Architekt von sich aus die finanziellen Möglichkeiten des Auftraggebers auszuloten. Äußert der Bauherr Sonderwünsche erst nach Auftragserteilung, sei es Aufgabe des Architekten, den Bauherr auf das Vorliegen unrealistischer Vorstellungen hinzuweisen.

Quelle: Landgericht Mönchengladbach - erhältlich in der Rechtsprechungsdatenbank des Landes NRW von 28.07.2005
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