Anlegerschutz / z_L&S - Filmfonds /
Artikelnummer: 08041902
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ÜBER RISIKEN NICHT BEKANNTER ANLAGEFORMEN IST AUFZUKLÄREN
Auch ein Anleger mit grundlegenden Kenntnissen, der eine "chancenorientierte" Anlagestrategie verfolgt, darf im Rahmen einer Anlageberatung erwarten, dass er über die Risiken einer ihm bislang nicht bekannten Anlageform zutreffend unterrichtet wird. Dies hat der Bundesgerichtshof entschieden.
Der Entscheidung liegt folgender Sachverhalt zurgunde: Der klagende Anleger zeichnete am 3. November 2000 - unter Einschaltung eines Treuhänders - eine Kommanditeinlage über 200.000 DM zuzüglich 5 v.H. Agio an einem Filmfonds. Die Fondsgesellschaft geriet im Jahr 2002 im Zusammenhang mit der Insolvenz der Produktionsdienstleisterin in eine wirtschaftliche Schieflage. Es stellte sich heraus, dass an die Produktionsdienstleisterin überwiesene Gelder nicht zurückzuerlangen waren und Erlösausfallversicherungen für aufgenommene Produktionen nicht abgeschlossen waren. Die ebenfalls beklagte deutsche Großbank, macht der Anleger wegen fehlerhafter Vermittlung der Beteiligung haftbar. Gehe man - wie der Bundesgerichtshof - davon aus, dass der entscheidende Prospektmangel gerade darin liegt, dass der Anleger - insbesondere im Abschnitt "Risiken der Beteiligung" - nicht genügend klar über das Totalverlustrisiko informiert wird, weil der Prospekt durch die als "worst-case-Szenario" bezeichnete "Restrisiko-Betrachtung" den in den Leitgedanken vorbereiteten Gesamteindruck vermittelt, der Anleger gehe mit seiner Beteiligung ein nur begrenztes Risiko ein, gewönnen die Feststellungen für eine Vertragsverletzung der beklagten Bank ein höheres Gewicht. Denn dieser Prospektmangel sei im Beratungsgespräch durch Mitarbeiter der Bank nicht nur nicht richtig gestellt oder ausgeräumt, sondern durch die Betonung des Absicherungskonzepts eher verstärkt worden.

Quelle: Bundesgerichtshof von 06.03.2008
http://www.bundesgerichtshof.de Externer Link
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