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Artikelnummer: 13030917
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OBERLANDESGERICHT FRANKFURT AM MAIN BESTÄTIGT RÜCKTRITTSRECHT EINES NEUWAGENKÄUFERS WEGEN REPARATURRESISTENTEN GERÄUSCHS AM UNTERBODEN
Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main hat einen bekannten Autohersteller verurteilt, einen mangelhaften Neuwagen zurückzunehmen, nachdem trotz einer Vielzahl von Reparaturversuchen weiterhin klappernde Geräusche am Unterboden auftraten.
Der Kläger erwarb bei einer Filiale des beklagten Autoherstellers im Rhein-Main-Gebiet einen Neuwagen für rund 33.000,- €, der ihm Ende Januar 2008 ausgeliefert wurde. In der Folgezeit rügte der klagende Käufer eine Vielzahl von Mängeln, die von dem beklagten Autohersteller zum Teil behoben wurden. Im Juli 2009 bemängelte der klagende Autokäufer zum ersten Mal klappernde Geräusche am Unterboden des Fahrzeugs. Nachdem sich das Fahrzeug mehrfach zu Nachbesserungsversuchen bei dem beklagten Autohersteller befand - nach der Behauptung des Klägers 22-mal - trat der klagende Käufer im September 2009 vom Kaufvertrag zurück und verlangte die Rückzahlung des Kaufpreises. Der beklagte Autohersteller wandte ein, die Mängel hätten teilweise bei Übergabe des Fahrzeugs noch nicht vorgelegen und das klappernde Geräusch stelle zudem einen nur unerheblichen Mangel dar. Wie schon das Landgericht nach Einholung eines Sachverständigengutachtens gab nun auch das Oberlandesgericht dem klagenden Autokäufer in der Berufung dem Grund nach Recht. Schon das trotz der vielen Nachbesserungsversuche nicht zu beseitigende klappernde Geräusch aus dem Bereich der Vorderradaufhängung, dessen Ursache bis heute nicht sicher festgestellt werden könne, berechtige den klagenden Autokäufer zum Rücktritt vom Kaufvertrag. Auch wenn die insoweit voraussichtlich anfallenden Mängelbeseitigungskosten unterhalb der Bagatellgrenze von 1 % des Kaufpreises liegen würden, ergebe sich die Erheblichkeit dieses Mangels aus seiner subjektiven Bedeutung. Der Sachverständige habe anschaulich geschildert, dass das Geräusch unregelmäßig auftrete, aber deutlich wahrnehmbar sei und deshalb bei den Insassen berechtigt das Gefühl aufkommen lasse, mit dem Fahrzeug stimme etwas nicht. Ein Fahrzeug aber, in dem sich die Insassen nicht sicher fühlten, sei mangelhaft. Auf den zurückzuzahlenden Kaufpreis müsse sich der klagende Autokäufer allerdings eine Nutzungsentschädigung für die von ihm mit dem Fahrzeug zurückgelegten 83.000 Kilometer anrechnen lassen, die hier auf rund 13.000,- € zu beziffern war.

Quelle: Oberlandesgericht Frankfurt am Main - PM vom 01.03.2013 von 28.02.2013
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